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"Keiner nimmt Geld in die Hand" ZfK-Interview mit GF Reinhard Schultz

Einige Marktteilnehmer erwarten im kommenden Jahr ein Kippen des Biomethan-Marktes: die Nachfrage soll dann das Angebot übersteigen. Was sagen Sie dazu?
Also wenn das so wäre, würde mich das freuen. Dies heißt aber auch, dass dann die Preise für Biomethan steigen werden.

Wie kann das Produktions-Angebot ausgeweitet werden. Wie sieht es mit dem Zubau aus?
Grundsätzlich haben wir zwei Quellen für den Zubau: das eine ist das Repowering von Vor-Ort-Verstromungsanlagen; das spielt eine erkennbare Rolle. Dabei werden gute Rahmenbedingungen früherer EEGs genutzt, um eine Biomethan-Produktion zu errichten. Es gibt aber auch eine Reihe von neuen Projekten, die noch in diesem Jahr fertig gestellt werden. 2014 sieht es aber dünn aus mit Projekten.

Warum?
Weil niemand finanzieren will. Niemand weiß, wie die Rahmenbedingungen werden. Wir rechnen nicht so schnell mit einem neuen Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG), doch möglicherweise wird die Regierung Vorläufer-Gesetze auf den Weg bringen.

Dann sind die Vorgaben der Regierung nicht einzuhalten, oder?
Wir sind jetzt bei einer Einspeiseleistung von 1,2 Mrd. Nm3 aus etwa 108 Anlagen. Weil in den vergangenen Jahren viel passiert ist. Das Ziel für das Jahr 2020 sind 6 Mrd. Nm3, für 2030 10 Mrd. Nm3, also 10 % des Erdgases als Substitut. Von diesen Zielen sind wir aber weit entfernt.

Warum geht es jetzt nicht weiter am Markt?
Dies liegt am 2012-EEG, das an sich nicht schlecht ist, aber einen Webfehler im Kontext hat: Die parallel laufende Novelle des Kraft-Wärme-Kopplung(KWK)-Gesetzes hat Erdgas-KWK über alle Leistungsklassen besser gestellt als Biomethan-KWK. Eine Chance bietet sich aber: Wenn die Förderung für Erdgas-KWK ausläuft, kann man die Anlage auf Biomethan umstellen.

Und gerade das kann eine hohe Nachfrage nach Biomethan bescheren, oder?
Ja, natürlich, das ist so, wir diskutieren diese Option auch. Wenn wir nur auf Altanlagen aufbauen und diese repowern könnten, wären wir in einem sicheren Hafen. Leider müssen wir aber auch mit einem neuen EEG rechnen, das grundsätzlich biomasse-skeptisch ist. Und diese Unsicherheit ist das Problem: Kein Mensch nimmt derzeit Geld in die Hand und finanziert neue Produktionsanlagen. Keine Bank spielt mit bei diesen Rahmenbedingungen. Selbst große Unternehmen wie RWE ziehen zurück. Nur finanzstarke Investoren wie große Landwirte können noch Anlagen bauen.

Was muss passieren?
Es müssen gleiche Verhältnisse geschaffen werden. Das Biomethan muss auf Erdgaspreis gebracht werden. Die kWh Biomethan im Handelspreis inkl. vermiedene Netzentgelte kostet etwa 6-7,5 ct, Erdgas liegt bei 3 ct.. Dieser Unterschied muss in einer Form egalisiert werden. Zudem wird Biomethan aus Biomasse hergestellt und daher sind Anlagenbetreiber von Schwankungen der Substratpreise abhängig. Tendenziell kann die Preisdifferenz noch größer werden.

Wie könnte so eine Angleichung zwischen Erdgas und Biomethan aussehen?
Wir plädieren für einen Mehrkostenausgleich im Form einer Marktprämie für den Betreiber eines Biomethan-BHKW im EEG, der im Ergebnis mit der KWK-Förderung korrespondiert. Die Preise für Strom und Wärme müssen dann ausschließlich im Wettbewerb am Markt geholt werden. Die EEG-Umlage würde im Übrigen so auch abgesenkt. Eine andere Möglichkeit wäre die Überführung von Biogas-KWK in die KWK-Förderung, weil sich so leichter eine im Ergebnis gleich wirkende Förderung aus einer Hand herstellen ließe. Natürlich müsste dann das Gesetz zur Förderung der Kraft-Wärme-Kopplung etwas anders gestrickt werden. Aber auch heute nutzen Anlagen, bei denen die KWK-G-Förderung ausläuft, den Umstieg in das EEG und auf Biomethan.

Was können Anlagenbetreiber noch tun?
Im Prinzip müssen sie sämtliche Effizienzen aus der Anlage holen. So kann z.B. der Fermentierprozesse weiter optimiert werden. Zudem müssen die Biomethan-KWK-Anlagenbetreiber aus dem Sicherheitsdenken des EEG herauskommen hin zu einem marktgetriebenem Ansatz. Es muss eine echte Marktprämie zu den Standard-Mehrkosten geben, der Strom- und Wärmepreis wird sich am Markt geholt. Hierfür ist natürlich eine stromgeführte Fahrweise nötig, um an den lukrativen Strompreisfenstern Geld zu verdienen. Wir haben eine Sterbelinie für die alten Kraftwerke und diese Kapazität muss durch neue dezentrale KWK-Anlagen ersetzt werden. Diese müssen die Ausgleichs- und Regelenergie stellen. Ausgleichs- und Regelenergie darf nicht nur bei abgeschriebenen Großkraftwerken geordert werden. Alle neuen Anlagen sollten in der Lage sein, Systemverantwortung zu übernehmen.

Das Gespräch führte Armin Leßner.

Das Interview kann hier als pdf heruntergeladen werden.