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PM FNR: Futtergräser für Biogasanlagen im Fokus der Forschung – Erkenntnisse für Landwirte und Züchter

Gräser später schneiden erhöht Methan-Hektar-Ertrag – Erbgutinformationen von gut 500 Weidelgras-Genotypen ermittelt

Foto: DSV

Die Gemeinschaft zur Förderung von Pflanzeninnovation e. V. (GFPi) hat gemeinsam mit dem Leibniz-Institut für Pflanzengenetik und Kulturpflanzenforschung (IPK), dem Julius Kühn-Institut (JKI), der Microb Energy GmbH und drei privaten Gräserzüchtern ein umfangreiches Forschungsprojekt zu Futtergräsern als Biomasselieferant durchgeführt. Die Erkenntnisse sind für Biogas-Landwirte und Züchter interessant.

Das Vorhaben wurde vom Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft über den Projektträger Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe e. V. (FNR) gefördert.

Die wichtigsten Erkenntnisse für Landwirte:

  • Früher abreifende Weidelgras-Sorten sollten zwanzig Tage, später abreifende sieben Tage nach Beginn des Ährenschiebens geschnitten werden, um den maximalen Methan-Hektar-Ertrag zu erzielen.
  • Der Biomasseertrag hat einen vergleichsweise größeren Einfluss auf den Methan-Hektar-Ertrag als die spezifische Gasausbeute (Gasausbeute = Gasertrag bezogen auf die Masse, gemessen in lN/kg oTS).
  • Rohrglanzgräser liefern tendenziell die besten Erträge bei verringertem Faktoreinsatz: Eine Rohrglanzgras-Sorte hatte den insgesamt zweithöchsten Ertrag bei einem Versuch erzielt, in dem 13 Sorten drei Jahre lang jeweils vierschnittig mit normaler und zweischnittig mit reduzierter N-Düngung geprüft wurden. Dies gelang allerdings nur in dem Jahr mit günstigen Anbaubedingungen, in dem eine frühe Aussaat und eine gute Jugendentwicklung der Pflanzen möglich war. Auch stand nur eine einzige Rohrglanzgras-Sorte in dem Vergleichsanbau.
  • Bei einem späten Aussaattermin und bei günstigen Anbauverhältnissen sollte man hingegen Weidelgras-Sorten  wählen. Bei ihnen ist die 4-Schnittnutzung eindeutig überlegen.
  • Gräser sollte man nur als Kosubstrat in die Biogasanlage einbringen. Die Monovergärung der Gräser bereitete im Projekt bei höherer Fermenterbelastung die bekannten Probleme an Rührwerken und Pumpen und verursachte eine Stickstoffhemmung der Mikrobiologie.

Die wichtigsten Erkenntnisse für Züchter:

  • Interessierten Züchtern liegen dank der Projektarbeiten nun erstmals Erbgutinformationen von insgesamt über 500 verschiedenen Genotypen des Deutschen Weidelgrases (Lolium perenne) vor. Darunter befinden sich 307 Sorten aus verschiedenen Regionen der Welt sowie 200 Experimentalhybriden1, die auf Basis unterschiedlicher geografischer Herkünfte im Projekt erzeugt wurden. Die bei einigen dieser Hybriden schon deutlich erkennbare Heterosis untermauert das große Potenzial für Ertragssteigerungen künftiger Neuzüchtungen.
  • Für eine züchterische Selektion eignen sich Berechnungen zu Methanausbeuten und Methanerträgen nach Weißbach2 besser als Vergärungsversuche, da sie vergleichsweise weniger fehlerbehaftet und näher am Genotyp sind.
  • Das im Projekt entwickelte Modell für Weidelgräser zur Bestimmung des optimalen Erntezeitpunktes im Hinblick auf hohe Methan-Hektar-Erträge lässt sich grundsätzlich auch für andere Arten und Sorten anpassen.

Der vollständige Abschlussbericht steht auf fnr.de im Menü Projekte & Förderung unter den Förderkennzeichen 22016209 zur Verfügung.

Pressekontakt:
Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe e.V.
Nicole Paul
Tel.: +49 3843 6930-142
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PM 2016-22

1 In der Hybridzüchtung werden Inzuchtlinien miteinander gekreuzt, die besonders leistungsfähige Nachkommen, die sog. Hybride, hervorbringen. Als Experimental-Hybride bezeichnet man Testkreuzungen, von denen nur die besten als Sorte angemeldet werden und auf den Markt gelangen. Den Effekt der Leistungssteigerung nennt man Heterosis. Im Nutzpflanzenbereich ist Hybrid-Saatgut heute weit verbreitet.

2 Weißbach, F. 2008. Zur Bewertung des Gasbildungspotentials von nachwachsenden Rohstoffen. Landtechnik 63 (6): 356-358.

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