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Biogasanlage im ostfriesischen Dorf Holtrop

Zu der öffentlichen Diskussion und Berichterstattung im Zusammenhang mit den Plänen zum Bau einer Biogasanlage im ostfriesischen Dorf Holtrop erklärt der Geschäftsführer des Biogasrat e.V., Reinhard Schultz:

 Die Idee, mit dem Bau einer Biogasanlage die Einkommenssituation der lokalen Milchbauern zu verbessern, ist ausdrücklich zu begrüßen. Angesichts der Überproduktion im Milchsektor führt kein Weg am strukturellen Wandel im ländlichen Raum vorbei. Der Ansatz, in die Biogaserzeugung einzusteigen, ist dabei ein interessanter Weg, der dem Preisverfall von Milch und Fleisch entgegenwirkt und gleichzeitig einen Beitrag zum Klimaschutz leistet.

Der massive Widerstand der lokalen Bürgerinitiative gegen das Vorhaben ist von handfesten Eigeninteressen gesteuert und alles andere als objektiv. Es handelt sich bei den vorgebrachten Argumenten um eine Aneinanderreihung von Vorurteilen, deren Wahrheitsgehalt sich auch durch ständiges Wiederholen nicht erhöht: So ist weder die befürchtete Maismonokultur im Einzugsbereich von Biogasanlagen tatsächlich eingetreten, noch kommt es zu einer über die im landwirtschaftlichen Raum zur Erntezeit wesentlich hinausgehenden Verkehrsbelastung und es gibt auch keine beachtlichen Geruchsbelästigungen, die sachgerechte Auslegung und Betriebsweise natürlich vorausgesetzt.

Der Vorwurf, Biogasanlagen leisteten keinen deutlichen Beitrag zu Umwelt- und Klimaschutz, ist zudem eindeutig durch die vom Bundesumweltministerium veröffentlichten Daten widerlegt. Biogas ist die einzige Form der Bioenergie, die das ganze Spektrum landwirtschaftlicher Kulturpflanzen nutzen kann und Biogas ist die effizienteste Form der Bioenergienutzung. Biogas ist ein lokaler Faktor, der die Weltmarktpreise nicht beeinflusst und den Entwicklungsländern keine Flächen für die Nahrungsmittelversorgung entzieht. All diese Sachverhalte sind bekannt und mittlerweile nicht mehr ernsthaft bestreitbar. Da liegt die Frage viel näher, welche Umweltbelastung eigentlich die Viehhaltung mit Gülle nach sich zieht, der das Methan nicht durch Biogasanlagen entzogen wurde. Auch zu diesem Thema gibt es wissenschaftliche Untersuchungen.

Natürlich müssen die Errichter und Betreiber von Biogasanlagen die Befürchtungen der Anwohner und ansässigen Unternehmen ernst nehmen, aber rabiates Auftreten und unsachliche Argumentationen sind in der Diskussion nicht zielführend. Bei den heftigen Auseinandersetzungen im ostfriesischen Dorf Holtrop geht es ganz offenkundig in Wirklichkeit nicht um Biogas, sondern um Widerstand gegen notwendigen Wandel und um kommerzielle Eigeninteressen. Ängste und Befürchtungen der Einwohner werden von interessierter Seite geschürt und instrumentalisiert. Eine kritische Berichterstattung muss solche Zusammenhänge hinterfragen.

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